In bestimmten Situationen hatten wir beide keine offenen Fragen mehr an uns selbst. Die Grenzen unserer eigenen Tragik waren erforscht und außerhalb der Rotation, mit der wir uns durch die Sache, die andere gern als Realität bezeichnen, bewegten, lag für uns eine freie Fläche auf der Fragen, durch Erwartungshaltungen multipliziert, darauf warteten beantwortet zu werden. Im Duo war das eher ein Computerspiel im God-Mode. Unsere Zungen lösten sich automatisch an jeder einzelnen Station, an der man irgendeine Geschichte aus unserer doch sehr angeregten Fantasie zum Besten geben konnte.. Gewalt, Drogen und Sex waren zu fortgeschrittener Stunde zwar die Hauptthemen, aber der Nährboden, den wir innerhalb der Gespräche weitläufig ausstreuten, schuf im Laufe eines kompletten Wochenendes den eigenen kleinen Neurosengarten in der jeweiligen Bezugsgruppe.

Eigentlich waren wir auf Parties immer nur schwer damit beschäftigt mit einer Gieskanne weitläufig unseren grünen Daumen zu demonstrieren, während wir uns ab einer gewissen Höhe eine Frucht nach der Anderen in den Mund schoben. Der Verlauf innerhalb der Szenarien war von Anfang an geplant. Immer weiter und im Zweifelsfall einfach mehr nehmen. Natürlich gab es auch Phasen der Enthaltsamkeit in dem einen oder dem anderen Aspekt, weil einer von uns beim letzten Mal irgendwie gemerkt hat, dass das alles doch viel zu doll war, aber im Endeffekt waren wir Kinder, die sich selbst mit einer Flasche Pfeffi zum Start in den Abend das beste Geschenk machen konnten, auch wenn es eigentlich nicht in den To-Do-Listen der nächsten Woche auftauchen sollte.

Wir hatten Zeit, es war warm und und irgendwer hatte den Flow auf Warp-Antrieb geschaltet.

Wir schäkerten ständig über diese Realität, machten öffentlich großes Theater darum und warteten nur darauf, dass irgendjemandem anfing uns anzuzweifeln. Das Problem war, dass es in den wenigstens Fällen passierte. Wenn es allerdings doch einmal dazu kam waren das meist einschneidende Erlebnis, nach denen unser eigenes Finetuning nach Regulation verlangte. Die meisten Strömungen denen wir uns zu stellen hatten, waren allerdings zu 90 % mit Augenmaß und Daumenpeilung abschätzbar. Nur manchmal schlug der Flow um.

Mit Hilfe eines River noch einen Royal Flush zu treffen erfordert weniger Glück als sich selbst mit absoluter Sicherheit so heftig in die Scheiße zu reiten und gleichzeitig zu denken man kommt da ohne Probleme wieder raus, obwohl man meist schon längst verloren hat. Zuviel Selbstsicherheit fördert Eitelkeiten und selbst im God-Mode bleibt man ab und an so derbe hängen, dass man zuerst einmal das Spiel neu starten muss. Das Problem ist, sich ab einem bestimmten Level nicht mehr von seiner Vorstellungskraft freimachen zu können und einem inneren Duktus zu Folgen, durch den man sich als Persönlichkeit oft genug an das Ende bestimmter Dinge und manchmal auch darüber hinaus treibt. Der Glaube immer die Balance halten zu können ist nichts anderes als eine persönlich Erhöhung, die irgendwann einmal zu einem Sturz führt.