Die Blicke zwängt man einander vorbei, genau wie die Schritte, damit sich die Wege nicht kreuzen. Vielfältige Gründe für Ausweichmanöver, die keine Fragen mehr im Raum stehen lassen wollen. Der Zauber, der einen dazu treibt näher hinzuschauen, hat sich verflüchtigt. Das Bild ist fertig und hängt in der Gallerie der Köpfe, die in ihren Rahmen zu einem wertbehafteten Dasein verurteilt sind. Nicht wie ein Museum, sondern eher wie ein staubiger Dachboden, den man in regelmäßigen Abständen betritt um den Plunder zu entsorgen. Eine Ansammlung von Unnützlichkeiten, die abgedankt haben.

Verstauben als Erwartungshaltung.

Die Klischees? Hör doch auf. Die gehören schon seit Jahren dazu und so schnell wird sich an der ganzen Sache auch nichts ändern. Vielleicht ist das auch einfach dadurch bedingt, dass ein romantisches Ideal nur aus Klischee bestehen kann. Irgendwo trägt dieser ganze Familienscheiss, den uns unsere Eltern uns bis zu dem Punkt, an dem es auch bei ihnen nicht mehr funktionierte, vorgelebt haben dann doch Früchte.

Das monogame Konstrukt als Grenze der eigenen Wertvorstellung und Identität. Emanzipation und die radikale Antisexismus-Scheiße kannst du dabei größtenteils vergessen. Das ist nämlich der genau der Punkt an dem irgendeine absurde Utopie von der Dekonstruktion gesellschaftlicher Allgemeinattitüden dort anschließt, wo dein eigenes Idealbild von Beziehungen an deinen eigenen Ansprüchen von Freiheit scheitert. Das muss von vornherein allgemeingültig und oberflächlich strukturiert sein, ansonsten könnte man das gar nicht an die große Glocke hängen. Versuch mal deinem Papa oder deiner Mama das Geschlecht wegzugendern.

Mal abgesehen davon, dass die damit einhergehende Vorstellung nicht gerade zu denen gehört, die man sich wünscht, wirst du mit Sicherheit scheitern.

Ich glaube einfach nicht, dass sich auf kurz oder lang wirklich etwas ändern wird. Das hat noch nicht mal was damit zu tun, das es niemand versucht, sondern ist einfach in großem Maße durch unsere Körper determiniert. Wusstest du, dass der männliche Körper das Hormon, welches das Verlangen nach Zweisamkeit steigen lässt, schon beim Küssen ausschüttet, wohingegen es dafür beim weiblichen Körper erst richtig zur Sache gehen muss?

Ich finde, das sagt schon verdammt viel über diese ganze Problematik aus.

Die Herztöne ausgelagert, bleiben hier bezüglich der Kunst nur graue Schattierungen. An der Wand hängen skizzenhafte Szenen, wie als wäre vor langer Zeit einmal der Plan entstanden am Ende daraus einen Film zu drehen.

Ich erinnere mich an jeden illustrierten Moment.

Ein Leben in Zeichnungen zu beschreiben bedeutet, irgendwann eine stringente Zeitleiste anzubringen, eine Ordnung zu etablieren, die die Geschichte im richtigen Licht erscheinen lässt. Manchmal kann man die Hauptpersonen nicht auseinanderhalten. Es sind Ausschnitte von Mädchen, die Zigaretten rauchen und von Steinplatten auf denen zu schnell geleerte Flaschen in Reih und Glied stehen.

Manchmal ist es auch nur ein Unterarm, der Richtung Himmel zeigt und mit der gefühlten Bewegung nimmt man als Beobachter die Herzwolke nur einen Moment später war, weiß aber dann genau warum die Hand so hoffnungsvoll nach oben weist. Immer wieder finden sich auch hingeschmierte Sätze oder Zitate mit auf den Blättern. Manchmal am Rand, so dass man zweimal hinschauen muss, um lesen zu können, was dort steht.

"Lass uns träumen, miteinander, beieinander und solltest du für mich einmal nicht mehr vorhanden sein, habe ich immer noch dieses Bild einer gemeinsamen Illusion.“

Die Nächte sind voll von Griffen. die danach gieren mich zu ihren Komplizen zu machen.

Manchmal wird auch gar nicht zugregriffen, sondern jemand drückt bei der Umarmung so heftig den Unterleib an mich, mit der impliziten Bitte jetzt nicht zu gehen, dass ich für ein paar Sekunden erstarre, bevor ich meine Bewegungen wieder koordinieren kann.

In mir schlummert der Versuch der Welt ihre Wünsche in die Pupille zu tättowieren. Ich lasse mich an die Hand nehmen und finde mich in einem menschlichen Irrgarten wieder, der sich zu bewegen scheint. An den Rändern schwappt es manchmal bis zur Decke und auf einmal spüre ich einen Rücken, den meine Hand im Taumel streift und der nach mehr verlangt, jetzt da ich eine solche Bewegung eher unbeholfen als gewollt in die Tat umgesetzt habe.

Ich werde gefragt was ich trinken will und drücke der Person mit der Mate hinter der Bar noch fünfzig Cent in die Hand, weil der Mensch, der mich eingeladen hat, schon längst wieder verschwunden ist.

Ich stelle die Energien meiner Gegenüber nicht in den Schatten, sondern ziehe heimlich an ihren Ketten. Am Ende kann ich daraus schlussfolgern, dass nicht jeder eine Gehirnerschütterung beim Rennen gegen die große Wand riskieren möchte.

Ich muss lächeln und habe gleichzeitig das Gefühl, dass Weinen einen kleineren Kosten/NutzenFaktor hätte. Ich lasse die Schlange vor der Toilette hinter mir zurück und es löst die gleiche Wärme aus, die ich fühle, wenn ich die Nachbarskinder am Nachmittag beim Versteckspiel beobachte. Der gewünschte Pegel ist noch nicht erreicht. Ich schließe die schlecht beleuchteten Augen und dann ist der Wunsch nach Gleichgewicht doch wieder da.

Niemand ist wütender auf mich als ich. Knalle mir mit versuchter Härte einen "Biggest Loser"-Sticker an die Stirn, nur um danach zu merken, dass er keine halbe Minute gehalten hat. Mit der Stirn gegen die Wand, um zu verschnaufen, halte ich doch nicht für angemessen. Da wäre Smalltalk ja wünschensweter aber dazu bin ich leider nicht mehr in der Lage.

"And all the wine is all for me"

Das Fallenlassen erscheint mir gefährlich. Vielleicht erreiche ich deswegen nicht den gewünschten Effekt?

Handlungsalternativen, die sich selbst in Frage stellen. Intrinsische Motivation sucht sich manchmal harte Schlupflöcher. Sie will einem immer den Eindruck einer äußerst willigen und attraktiven Jurastudentin vermitteln, aber auf den Scheiss falle ich kein weteres Mal mehr rein.

Jemand macht eine Bewegung, die mich sofort an meine Exfreundin erinnert: Ein arrogantes Wegblicken, das eigentlich nur Unsicherheit verdecken soll. Ich blicke ihr ein paar Sekunden lang hinterher, bis sie Richtung Tanzfläche driftet.

Manchmal da finden sich unsere Blicke. Du gibst vor ein scheues Reh zu sein und merkst gar nicht, wie du dich selbst enttarnst, indem du meinem standhälst.

Wenn es draußen wieder hell wird, dann habe ich wahrscheinlich mein Versprechen gebrochen und kein anderes Herz. Sich mit Zielstrebigkeit zu bewaffnen war noch nie eine meiner Stärken. Wir prosten uns zu und als du sagst "Auf die Liebe" denke ich kurz über einen möglichen zweiten One-Night-Stand in meinem Leben nach und ziehe einen anderen Trinkspruch in Erwägung.

Wir verschwenden uns vielseitig, tauschen Karma gegen Würde, legen uns die Köpfe auf die Schultern und bewundern andere Menschen beim Jagen. Manchmal hilfst du mir mit deinem "Sprich-mich-an-und-du-hast-ein-Ei-weniger"-Blick.

Ich wünschte ich könnte deinem Verlangen nach Privatsphäre mehr entsprechen. Meine Hand um deine Hüfte und trotzdem keine Bewegung. die nicht inszeniert ist. Du spielst nach außen Richtung Drama, aber deine Bewegungsimpulse, die oft nur ansatzweise angedeutet sind, sprechen eine ganz andere Sprache.Als ich das letzte Mal in deiner Anwesenheit etwas zu trinken bestellt habe, warst du kaum in der Lage meine Lippen richtig zu fixieren. Ins Haar fassen wäre in dem Moment mit Umfallen verbunden gewesen. Du bekamst dein Wasser, ich meinen siebten Schnaps, Sekunden danach verloren wir uns aus den Augen. Ich wollte deine Gespräche nicht mehr unterbrechen.

Der Gehalt meiner Erlebnisse wird von uns beiden definiert. So hatte ich mir das vorher jedenfalls gedacht, merke aber von jetzt auf gleich, dass ich meine Erwartungen in dem Falle zu hoch angesetzt waren.

Ich zweifle an meinen verzweigten Synapsen und zwar so ziemlich jeden zweiten Abend. Nachts kann ich das oft ausschalten, aber dann ähnle ich einer Dampfwalze und den Preis möchte ich nicht zahlen. Der Instinkt folgt allein dem Testosteronspiegel und manchmal sollten Leute mir einfach sagen, dass ich da Schokolade am Mund kleben habe, damit ich Platz für weiche Lippen schaffen kann.

Seite für Seite könnte ich meine Energie darauf verschwenden das Gefühl zu beschreiben, das es sich in mir schon seit längerem bequem gemacht hat, aber die Frage, ob es jemand verstehen könnte, möchte ich in keinem Falle stellen.

In bestimmten Situationen hatten wir beide keine offenen Fragen mehr an uns selbst. Die Grenzen unserer eigenen Tragik waren erforscht und außerhalb der Rotation, mit der wir uns durch die Sache, die andere gern als Realität bezeichnen, bewegten, lag für uns eine freie Fläche auf der Fragen, durch Erwartungshaltungen multipliziert, darauf warteten beantwortet zu werden. Im Duo war das eher ein Computerspiel im God-Mode. Unsere Zungen lösten sich automatisch an jeder einzelnen Station, an der man irgendeine Geschichte aus unserer doch sehr angeregten Fantasie zum Besten geben konnte.. Gewalt, Drogen und Sex waren zu fortgeschrittener Stunde zwar die Hauptthemen, aber der Nährboden, den wir innerhalb der Gespräche weitläufig ausstreuten, schuf im Laufe eines kompletten Wochenendes den eigenen kleinen Neurosengarten in der jeweiligen Bezugsgruppe.

Eigentlich waren wir auf Parties immer nur schwer damit beschäftigt mit einer Gieskanne weitläufig unseren grünen Daumen zu demonstrieren, während wir uns ab einer gewissen Höhe eine Frucht nach der Anderen in den Mund schoben. Der Verlauf innerhalb der Szenarien war von Anfang an geplant. Immer weiter und im Zweifelsfall einfach mehr nehmen. Natürlich gab es auch Phasen der Enthaltsamkeit in dem einen oder dem anderen Aspekt, weil einer von uns beim letzten Mal irgendwie gemerkt hat, dass das alles doch viel zu doll war, aber im Endeffekt waren wir Kinder, die sich selbst mit einer Flasche Pfeffi zum Start in den Abend das beste Geschenk machen konnten, auch wenn es eigentlich nicht in den To-Do-Listen der nächsten Woche auftauchen sollte.

Wir hatten Zeit, es war warm und und irgendwer hatte den Flow auf Warp-Antrieb geschaltet.

Wir schäkerten ständig über diese Realität, machten öffentlich großes Theater darum und warteten nur darauf, dass irgendjemandem anfing uns anzuzweifeln. Das Problem war, dass es in den wenigstens Fällen passierte. Wenn es allerdings doch einmal dazu kam waren das meist einschneidende Erlebnis, nach denen unser eigenes Finetuning nach Regulation verlangte. Die meisten Strömungen denen wir uns zu stellen hatten, waren allerdings zu 90 % mit Augenmaß und Daumenpeilung abschätzbar. Nur manchmal schlug der Flow um.

Mit Hilfe eines River noch einen Royal Flush zu treffen erfordert weniger Glück als sich selbst mit absoluter Sicherheit so heftig in die Scheiße zu reiten und gleichzeitig zu denken man kommt da ohne Probleme wieder raus, obwohl man meist schon längst verloren hat. Zuviel Selbstsicherheit fördert Eitelkeiten und selbst im God-Mode bleibt man ab und an so derbe hängen, dass man zuerst einmal das Spiel neu starten muss. Das Problem ist, sich ab einem bestimmten Level nicht mehr von seiner Vorstellungskraft freimachen zu können und einem inneren Duktus zu Folgen, durch den man sich als Persönlichkeit oft genug an das Ende bestimmter Dinge und manchmal auch darüber hinaus treibt. Der Glaube immer die Balance halten zu können ist nichts anderes als eine persönlich Erhöhung, die irgendwann einmal zu einem Sturz führt.